Stockhorn – damit verbinde ich Freud und Leid
- bergschmiede.ch

- 28. Jan.
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Das Stockhorn begleitet Reto seit seiner Kindheit. Es steht für Heimat, frühe Bergerfahrungen und prägende Familienmomente – aber auch für einen schmerzhaften Verlust. Heute erinnert ihn der Berg im Alltag an seine Herkunft und an das, was geblieben ist.
Stockhorn als Teil der Kindheit
Jeden Morgen, wenn Reto durch den Flur geht, fällt sein Blick auf das Stockhorn. Die Garderobe erhielt er zu Weihnachten. Unerwartet. Doch seine Familie wusste um die Bedeutung dieses Gipfels für ihn. Reto ist in Thun aufgewachsen. Für ihn ist das Stockhorn eine emotionale Verbindung zur Heimat. «Das Stockhorn habe ich jeden Tag gesehen», sagt er. Es war immer da. Meist unbewusst, aber omnipräsent. Auch als Ziel für jährliche Familienausflüge.
An diese Zeit erinnert er sich gut. «Als ich vier Jahre alt war, legte mir mein Vater ein «Gstältli» um und sicherte mich so am Berg.» So konnte Reto bereits selbständig hochkraxeln und war dennoch gesichert.
Zwei Mal verbrachte die Familie Ferien auf der «Geesä-Trini». Sie übernachteten auf dem Heuboden der kleinen Alpwirtschaft. Der Vater packte tatkräftig mit an. Diese Erinnerungen sind bis heute präsent und haben ihn nachhaltig geprägt. «Es ist das Tor zum Berner Oberland», sagt Reto. Wer von Bern Richtung Thun fährt, sieht als Erstes das Stockhorn. Zusammen mit dem hinteren Gipfel wirkt es wie ein liegendes Dromedar.

Stockhorn zwischen Verlust und Erinnerung
Nebst all den schönen Gedanken ist das Stockhorn für Reto auch mit einem schweren Verlust verbunden. Seine Mutter verunglückte dort tödlich, als sie eine Freundin besuchen wollte. «Ich weiss noch genau, wie sie an einem Augustabend anrief und sagte, dass sie aufs Stockhorn will.» Es hatten regnerische Tage hinter ihm gelegen, und er war besorgt, weil es rutschig sein könnte. Seine Mutter relativierte die Situation und ging trotzdem hoch. Auf der Alp kam sie nie an.
Für Reto ist das Stockhorn heute eine Verbindung zu seinen verstorbenen Eltern und zu seiner Herkunft. Es erinnert ihn an seine Kindheit und Jugend. Inzwischen lebt er im Kanton Uri und fühlt sich dort zuhause, nicht zuletzt, weil er fürs Leben gerne klettert. Zurück möchte er nicht. Das Stockhorn begleitet ihn dennoch weiter. Als Berg im Flur. Und als Teil seiner Geschichte.
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